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Artikel: Zu viel Hautpflege? 5 Anzeichen, dass Sie Ihre Haut überpflegen


Zu viel Hautpflege? 5 Anzeichen, dass Sie Ihre Haut überpflegen

Zu viel Hautpflege? 5 Anzeichen, dass Sie Ihre Haut überpflegen

Ich arbeite jeden Tag mit Hautpflege. Und gerade deshalb sage ich etwas, das für einen Kosmetikshop vielleicht ungewöhnlich klingt:

Nicht jedes Hautproblem braucht ein neues Produkt.

Manchmal ist sogar genau das Gegenteil der Fall.

Ich sehe in der Beratung immer wieder Routinen, bei denen wirklich alles vorhanden ist: Reinigung, Toner, zwei Seren, Retinol, Säuren, Peeling, Maske, Creme, Öl – und zwischendurch noch das Produkt, das auf Instagram gerade unbedingt jeder braucht.

Die Besitzerin dieser Routine sitzt dann vor mir und sagt:

„Ich mache doch schon so viel. Warum wird meine Haut nicht besser?“

Und genau da liegt manchmal das Problem.

Nicht weil Hautpflege grundsätzlich schlecht wäre. Natürlich nicht.

Sondern weil auch eine gute Sache zu viel werden kann.

Der Begriff „überpflegte Haut“ ist übrigens keine medizinische Diagnose. Er beschreibt aber ziemlich treffend einen Zustand, bei dem zu viele Produkte, häufige Wechsel, intensive Reinigung oder mehrere reizende Wirkstoffe gleichzeitig die Haut unnötig belasten können. Dermatologen warnen ebenfalls davor, zu viele Produkte oder mehrere aktive Wirkstoffe auf einmal einzusetzen, weil dadurch Irritationen, Trockenheit und Unreinheiten entstehen können.


Was passiert bei zu viel Hautpflege?

Unsere Haut ist keine passive Fläche, auf die wir möglichst viele gute Inhaltsstoffe stapeln müssen.

Ihre äußerste Schicht bildet eine wichtige Schutzbarriere. Sie hilft dabei, Wasser in der Haut zu halten und gleichzeitig äußere Reize fernzuhalten.

Aggressive Reinigung, häufiges Peeling oder eine ständig wechselnde Kombination reizender Wirkstoffe kann diese Barriere belasten. Typische Folgen können Trockenheit, Rauigkeit, Brennen, Rötungen oder eine plötzlich deutlich empfindlichere Haut sein.

Und jetzt kommt das Gemeine:

Die Haut fühlt sich gereizt und trocken an.

Also benutzen wir noch mehr Pflege.

Sie reagiert noch stärker.

Also kaufen wir noch ein beruhigendes Serum.

Und irgendwann besteht die Badezimmerablage aus 14 Produkten und keiner weiß mehr, welches davon eigentlich das Problem verursacht.

Genau diesen Kreislauf möchte ich vermeiden.


1. Plötzlich brennt Pflege, die früher völlig problemlos war

Das ist für mich eines der deutlichsten Warnzeichen.

Sie tragen Ihr Serum oder Ihre Creme auf und plötzlich:

  • brennt es,
  • prickelt unangenehm,
  • die Haut fühlt sich heiß an
  • oder sie reagiert deutlich stärker als sonst.

Natürlich kann auch ein einzelnes neues Produkt unverträglich sein.

Aber wenn plötzlich mehrere Produkte brennen, die Ihre Haut vorher problemlos vertragen hat, schaue ich mir zuerst die gesamte Routine an.

Brennen und Stechen bei eigentlich harmloser Pflege kann zu den Zeichen einer beeinträchtigten Hautbarriere gehören.

Und nein:

„Wenn es brennt, wirkt es“ ist kein Qualitätsmerkmal.

Dieser Satz hält sich erstaunlich hartnäckig.

Eine kosmetische Pflege muss nicht weh tun, um etwas zu bewirken.


2. Ihre Haut wird immer röter und empfindlicher

Vielleicht reagiert sie plötzlich auf:

  • Kälte,
  • Wärme,
  • Duschen,
  • Abschminken,
  • Reiben mit dem Handtuch
  • oder Produkte, die früher kein Problem waren.

Wenn eine Haut immer schneller gereizt reagiert, würde ich nicht automatisch den nächsten Wirkstoff hinzufügen.

Dann würde ich erstmal fragen:

Was machen wir eigentlich alles mit dieser Haut?

Gerade mehrere Peelings, Säuren oder andere aktive Produkte gleichzeitig können Irritationen begünstigen. Dermatologen empfehlen deshalb, neue Wirkstoffe schrittweise einzuführen und die Haut nicht mit mehreren potenziell reizenden Produkten gleichzeitig zu konfrontieren.

Bei einer solchen Haut würde ich die Routine zunächst auf sanfte, auf empfindliche Haut abgestimmte Pflegereduzieren.

 


3. Ihre Haut spannt – obwohl Sie ständig cremen

Das klingt erstmal absurd.

Sie cremen mehr, weil die Haut spannt.

Eine Stunde später spannt sie wieder.

Also nochmal Creme.

Und trotzdem fühlt sich die Haut nie wirklich ausgeglichen an.

Hier lohnt sich ein Blick auf die ganze Routine.

Vielleicht wird zu aggressiv gereinigt.

Vielleicht wird zu häufig gepeelt.

Vielleicht wechseln ständig Produkte.

Oder die verwendete Pflege passt schlicht nicht zum tatsächlichen Hautzustand.

Eine belastete Hautbarriere kann Wasser schlechter halten und sich trocken, rau oder schuppig bemerkbar machen. Gleichzeitig kann die Haut sogar noch glänzen oder zu Unreinheiten neigen.

Deshalb ist mein Ansatz nicht:

„Noch mehr Creme drauf.“

Sondern:

erst herausfinden, warum die Haut überhaupt ständig spannt.

Und eine vernünftige Routine beginnt immer mit einer milden Gesichtsreinigung.

 


4. Plötzlich kommen Pickel, kleine Knötchen oder Pusteln dazu

Das ist der Punkt, an dem viele komplett falsch abbiegen.

Neue Pickel?

Dann muss etwas gegen Pickel drauf.

Also Säure.

Noch ein Peeling.

Noch gründlicher reinigen.

Vielleicht noch ein austrocknendes Produkt.

Und die Haut wird immer unruhiger.

Zu viele Produkte können tatsächlich Irritationen und Ausbrüche begünstigen. Auch Dermatologen weisen darauf hin, dass stark überladene Routinen unter anderem zu verstopften Poren, Irritationen oder Breakouts führen können.

Aber:

Nicht jede Pustel bedeutet automatisch Akne.

Besonders wenn kleine rote Papeln oder Pusteln vor allem rund um Mund oder Nase auftreten und die Haut gleichzeitig brennt oder spannt, sollte man nicht immer weiter selbst behandeln.

Zu intensive Hautpflege wird beispielsweise auch als möglicher Auslöser einer perioralen Dermatitis beschrieben. Das gehört dann nicht in die Kategorie „ich probiere noch ein Serum“, sondern sollte dermatologisch beurteilt werden.

Das ist mir wichtig:

Kosmetik hat Grenzen.

Wenn ich den Eindruck habe, dass wir es nicht einfach mit einem kosmetischen Hautzustand zu tun haben, gehört die Haut zum Hautarzt.


5. Sie wissen selbst nicht mehr, welches Produkt eigentlich was macht

Das ist mein persönlicher Lieblings-Indikator. 😉

Wenn ich frage:

„Seit wann reagiert Ihre Haut so?“

und die Antwort ungefähr lautet:

„Also vor drei Wochen kam das neue Serum, dann habe ich noch ein Peeling gekauft, letzte Woche habe ich Retinol angefangen und seit Montag benutze ich diese neue Creme …“

… dann können wir kaum noch nachvollziehen, worauf die Haut eigentlich reagiert.

Hautpflege braucht auch Zeit.

Nicht jeder Wirkstoff zeigt nach drei Tagen sein Ergebnis.

Und wenn ständig mehrere Dinge gleichzeitig verändert werden, weiß man am Ende weder:

Was funktioniert?

noch:

Was verursacht das Problem?

Dermatologen empfehlen deshalb ebenfalls, neue Produkte vorsichtig einzuführen und Produkten ausreichend Zeit zu geben. Bei potenziell irritierenden Wirkstoffen ist ein schrittweiser Einstieg besonders sinnvoll.


Was tun, wenn die Haut wirklich überpflegt wirkt?

Jetzt bitte nicht das andere Extrem.

Nicht:

„Sandra hat gesagt, ich soll gar nichts mehr benutzen.“

😂 Nein.

Eine reduzierte Routine bedeutet nicht, die Haut komplett sich selbst zu überlassen.

Ich würde bei einer gereizten Haut zunächst die Routine übersichtlich machen.

Für viele Hautbilder kann die Basis erstmal so aussehen:

Morgens

1. Milde Reinigung
2. Gut verträgliche Pflege
3. Sonnenschutz

Abends

1. Milde Reinigung
2. Gut verträgliche Pflege

Das reicht zunächst vollkommen.

Auch dermatologische Empfehlungen setzen bei einer einfachen Routine im Kern auf Reinigung, Feuchtigkeitspflege und tagsüber Schutz vor UV-Strahlung.



Und was passiert mit Retinol, Säuren und Peelings?

Nicht grundsätzlich verteufeln.

Das wären tolle Wirkstoffe und Anwendungen, wenn sie zur Haut passen und vernünftig eingesetzt werden.

Aber wenn eine Haut gerade brennt, schuppt und auf alles reagiert, ist für mich nicht der Moment, die Wirkstoff-Offensive zu starten.

Dann möchte ich erstmal Ruhe reinbringen.

Wenn sich die Haut stabilisiert hat, kann man Wirkstoffe gezielt wieder einführen.

Einen nach dem anderen.

Nicht Montag Retinol, Dienstag AHA, Mittwoch BHA und Donnerstag überrascht sein, warum die Haut am Freitag keine Lust mehr hat. 😉


Mehr Produkte bedeuten nicht bessere Haut

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Satz des ganzen Artikels.

Ich kann Ihnen zehn hervorragende Produkte hinstellen.

Wenn fünf davon für Ihre Haut unnötig sind oder sich in Ihrer Routine schlecht ergänzen, haben Sie trotzdem keine gute Hautpflege.

Umgekehrt können drei gut ausgewählte Produkte für eine bestimmte Haut genau richtig sein.

Deshalb habe ich überhaupt kein Problem damit, jemandem in einer Beratung zu sagen:

„Das brauchen Sie nicht.“

Eine gute Beratung besteht für mich nicht darin, möglichst viele Tiegel auf den Tisch zu stellen.

Sondern darin, herauszufinden, was Ihre Haut tatsächlich braucht.


Wann sollten Sie nicht weiter selbst herumprobieren?

Bitte ärztlich abklären lassen, wenn Sie beispielsweise:

  • starke oder anhaltende Entzündungen haben,
  • ausgeprägten Juckreiz entwickeln,
  • nässende Stellen bemerken,
  • starke Schwellungen bekommen,
  • viele Pusteln rund um Mund oder Augen entwickeln
  • oder sich Ihr Hautzustand trotz reduzierter Pflege nicht bessert.

Dann geht es nicht mehr darum, welches Serum wir verkaufen könnten.

Dann muss zuerst geklärt werden, was mit der Haut los ist.


Mein Rat aus der Hautberatung

Wenn Ihre Haut plötzlich immer komplizierter wird, machen Sie Ihre Routine nicht automatisch ebenfalls komplizierter.

Schauen Sie sich erstmal an, was Sie bereits benutzen.

Und fragen Sie sich bei jedem Produkt:

Warum benutze ich das eigentlich?

Wenn Sie darauf keine Antwort haben, darf das Produkt vielleicht auch einmal Pause machen.

Denn gute Hautpflege bedeutet nicht:

möglichst viel.

Sondern:

möglichst passend.

Wenn Sie unsicher sind, welche Pflege zu Ihrem aktuellen Hautzustand passt, können Sie unseren Skin Check machen oder sich persönlich von uns beraten lassen.


Sandra Koll
Staatlich geprüfte medizinische Fachkosmetikerin · Körperkult Kosmetik

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